Gilbert Waligora

Erinnerungen zur Arbeit mit seiner Jugendgruppe

Das pädagogische Konzept des Jugendzirkels ist ebenso einfach wie einleuchtend. Jeder versucht mit seinen Fähigkeiten zu begreifen, was er vor sich sieht und im Bemühen, es darzustellen, lernt und spürt er, wie seine Kräfte wachsen. Angesichts der deprimierenden Übermacht der naturzerstörenden Kräfte ist das Gefühl wachsender Energien wichtig und es überträgt sich von den Jugendlichen auf den Betrachter. Es ist eine Kraft eigener Art, eine Heilkraft, wie sie aus der Demut und Bescheidenheit kommt. Jedenfalls ist nichts von jugendlichen Künstlerambitionen zu spüren, bei denen in Selbstüberschätzung die Verbindung mit der Wirklichkeit verloren wird.

Während andere immer stärkere Reize benötigen, um bei abgestumpften Sinnen noch Sensationen zu erleben, gehen sie den umgekehrten Weg des Verzichtes, aber auch den eines Gewinnes in der Dimension der Menschlichkeit.

Zweierlei wird klar: Im Bemühen, die Schöpfung zu bewahren, sind die Jugendlichen dieser Gruppe die wichtigsten Verbündeten, denn ihnen hinterlassen die Älteren entweder eine restaurierbare Umwelt oder eine hoffnungslos vergiftete Erde. Verantwortung für die Zukunft ist gebunden an den Blick auf die Jugend. Wo er fehlt, setzt sich leicht das egoistische Prinzip des Konsums durch, bei dem der Mensch Endverbraucher in einem furchtbaren Sinne ist. Das andere ist der Zusammenhang von Kunst und Ökologie. Die alte, oft bedachte Wechselbeziehung von Kunst und Natur gewinnt einen neuen Aspekt.

Die Kunst freilich, die Partner der Natur ist, ist nicht die der „Macher“, die eigentlich nur sich selbst ins Spiel bringen und aufbauen, sondern die der Gestalter, die, die Vorgefundenes formen, pflegen, die Ganzheiten im Auge behalten, die sich zurücknehmen und noch etwas von der Demut der Romantiker kennen.

Das eigentliche Erlebnis im Kontakt mit dem Jugendzirkel ist die Begegnung mit dieser ernsthaften Jugend, die die Hoffnung selbst verkörpert (Helmut Börsch-Supan, Kustos, Schloß Charlottenburg, 1990).

Aufmerksam geworden durch eine Radioreportage, besuchte uns im Ferienlager in Liepe die Leiterin des Umweltforums der Evangelischen Kirche und Herausgeberin der Zeitschrift „pro terra“, Frau Rotraut Lindenberger, um uns gründlich kennenzulernen. Sie staunte und resümierte, wir seien „einmalig in Intensität, Komplexität und Kontinuität“ (Rotraut Lindenberger, Berlin-Charlottenburg, 1990)

Natur kennenlernen, die Wirkmechanismen begreifen, Sensibilität für die Vielfalt der Lebenswelt und die Verletzlichkeit dieser Komplexität verstehen lernen – das gelingt nur wenigen jungen Menschen in einer Welt der Medien und Events, in der nur Fun und der ultimative Kick zählen. Warum wundern wir uns dann eigentlich über unsere Pendelbewegung zwischen den Extremen, wenn wir unserer Folgegeneration das einfache Lernen von der Natur mit den Blendwerken der Zivilisation vergällen? (Dr. Eberhard Henne, Leiter des Biosphärenreservats „Schorfheide-Chorin“)

Sich der Natur aussetzen, Natur sein, sich in ihr finden, bewusst Natur sein … Werden und Vergehen erfahren, Unsichtbares sichtbar machen? (Ulrike Jährling, 15 Jahre Jugendzirkel „Grafik, Malerei, Umweltpflege“)

Zur Person

geboren 1937

Lehre als Bau- und Möbeltischler; Arbeit als Bühnenmaler; Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weissensee

seit 1964 freischaffende kunstpädagogische Arbeit im Kreispionierhaus Bruno Kühn, im Zentralhaus der Jungen Pioniere German Titow, im Kulturhaus des VEB EKL

1991 Gründung der künstlerisch-pädagogischen Arbeitsgruppe FORMICA