Dr. Gerhard Klafs

Erinnerungen zu Entwicklungen in der Landwirtschaft

Die Beseitigung von Ackerhohlformen in Mecklenburg-Vorpommern war eine Zeit lang eine Doktrin. Ackerhohlformen sind eine Form von Ackerhindernissen und mussten zu Gunsten der rollenden Beregnung beseitigt werden – das war damals das Endziel. Genau wie solche Ideen, dass man sogar Hügel plattmachen wollte, weil die Beregnung rollen sollte. Das ist unter der Regie von Gerhard Grüneberg im ZK der SED propagiert worden.

Leute aus der Praxis, aus der Landwirtschaft, mussten damals mehr oder weniger mitmachen. Ich weiß noch, als wir versuchten, den kleinen Trappenbestand in Dedelow im Kreis Prenzlau zu retten. Wir sind zum LPG-Vorsitzenden gefahren und haben gesagt, er muss doch hier mal mehr für die Trappen tun. Und da sagt er: „Mensch, wenn Ihr wüsstet, was hier im Busch ist in den nächsten Monaten. Dedelow wird plattgemacht! Da gehen Eure Trappen. Da könnt Ihr machen, was Ihr wollt. Da bleibt nichts übrig.“ So kam es dann auch. Das war eben industriemäßige Produktion. Da wurden im Auftrag der Zentralen Naturschutzverwaltung noch „Trappenschongebiete“ konzipiert und auch abgegrenzt. Dafür hat Dr. Max Dornbusch/Steckby den Auftrag gehabt. Daraus konnte nichts werden. [...]

Die Entwicklung ging ja schrittweise. Die LPG-Bildung war schon ein ganz wichtiger Vorläufer dafür. Die Bodenreform und die kleinen Felder, das war ja eigentlich nur eine Episode, an die man sich kaum recht gewöhnen konnte und dann war wieder die Großflächenwirtschaft da. Das ist etwas, was bis heute nicht rückgängig gemacht wurde, weil es natürlich unter modernen agrarökonomischen Gesichtspunkten sehr viele Vorteile hat. Es gab viele, die allerhand daran setzten, die Großflächenwirtschaft wieder zurückzudrehen. Das ist nicht gelungen, denn die Agrargenossenschaften, die es jetzt gibt, stehen natürlich ökonomisch besser da als Kleinbetriebe. In der Zeit, wo bei uns die LPGen mehr oder weniger gewaltsam gegründet worden sind, sind ja auch zahllose Bauernhöfe in Westdeutschland an finanziellen Schwierigkeiten eingegangen. Der Prozess hatte gewisse Ähnlichkeiten, aber im Vergleich zu uns war das natürlich harmlos. Wir merken heute noch die negativen Nachwirkungen. Der Hasenbestand in Schleswig-Holstein und in Niedersachsen ist gut, selbst in Nordrhein-Westfalen gibt es Rebhühner, die werden sogar noch geschossen. Bei uns hier ist nichts, hier in den großen Flächen, keine Rebhühner, keine Hasen. Das sind die negativen Nachwirkungen, zusammen mit der Agrochemie.

Wir konnten wenig ausrichten. Wir waren ein nachgeordnetes Institut der Akademie der Landwirtschaftswissenschaften. Und die Akademie ist im Laufe der Jahre, nachdem Prof. Stubbe nicht mehr Präsident war, immer mehr stromlinienförmig geworden. Da wurde nicht mehr aufgemuckt.

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