Prof. Dr. Heinz-Dieter Krausch

Erinnerungen zur Naturschutzarbeit in Brandenburg in den 1950er Jahren

Der Naturschutz stand von Anfang an mit auf dem Programm und wir haben dann eifrig für den Naturschutz gewirkt. Ich habe mir von Anfang an gesagt: Naturschutz ist ja ganz gut und schön, aber man darf nicht immer bloß den Finger heben und sagen „Ihr müsst das schützen!“ Die Leute müssen eine gewisse Grundkenntnis von der Natur haben. Man muss also Beides verbinden. Man muss den Leuten Kenntnisse der Umwelt, auch der Umweltprobleme, vermitteln und aus diesem Grundwissen heraus sinnvoll Naturschutz betreiben. Das habe ich immer so gehalten, von Anfang an und dann auch später.

Als ich Student war, habe ich auch nicht bloß Biologie, Botanik, Zoologie studiert, sondern auch Chemie, Physik, Geographie, Geologie und Bodenkunde und sogar Ur- und Frühgeschichte Brandenburgs. Ich dachte, das braucht man alles. Da war in Potsdam Dr. Marschalleck, der war Beauftragter für Ur- und Frühgeschichte und auch Kreisbeauftragter für Naturschutz. Und der sagte eines schönen Tages zu mir: „In Freienwalde, im Kreis Oberbarnim, da ist ein tüchtiger Mann, der Kurt Kretschmann.“ Da habe ich zum ersten Mal von Kretschmann gehört und alsbald Verbindung mit ihm aufgenommen. Er hat dann eine erste Naturschutztagung in Brandenburg veranstaltet und da sind wir hingefahren, da war Professor Eckhardt noch mit. Das muss vor 1953 gewesen sein, Anfang der 1950er Jahre. Da wurden die alten Naturschützer wieder eingeladen und da habe ich den Kurt Kretschmann kennen gelernt. Der kam dann wenig später als Referent für Naturschutz an die damalige Landesregierung in Potsdam. Da hatte ich nun dauernd Kontakt zu ihm und wir haben uns angefreundet. Seitdem kannte ich ihn sehr gut und war freundschaftlich mit ihm verbunden. Ich habe ihn und seine Frau auch in ihrem Häuschen in Freienwalde besucht, da übernachtet. Damals richtete er Wanderwege ein, hat zum Teil selber die Stufen gebaut, das war sein Hobby. Wenn er wieder so einen Naturpfad plante, hat er mich eingeladen und ist mit mir die vorgesehene Strecke abgegangen. Ich musste dann immer angeben, wo Merkmale hinkommen sollten, für alte Eichen oder besondere Bodenvegetation und so. Zur Tierwelt konnte er natürlich auch etwas angeben, da hatte er seine Informationen von den Förstern. Er hat sich immer alles notiert und dann Wanderwege-Heftchen herausgebracht. Naturschutzgebiete wurden in dieser Zeit auch wieder eingerichtet. [...]

Irgendwann bin ich auf die Idee gekommen, einmal eine Aufstellung zu machen, was in den einzelnen Kreisen Brandenburgs alles unter Naturschutz steht. Aber das reicht mir nicht. Die Leute sollten einen heimatkundlichen Hintergrund bekommen. Die müssen die Gesamtzusammenhänge sehen und erkennen, warum Naturschutz wichtig ist. Um bestimmte naturnahe Gebiete, bestimmte Bäume oder Vorkommen seltener Pflanzen zu erhalten, müssen wir auch heimatkundliches, naturkundliches Wissen vermitteln. Entsprechende Naturschutzliteratur gab es wenig, und da habe ich dann eine Reihe „Natur und Naturschutz“ ins Leben gerufen, zuerst im Bezirk Cottbus. Dafür habe ich auch ehemalige Lehrer, die Bescheid wussten, zur Mitarbeit gewinnen können, unter anderem auch Alwin Arndt, der hat dann Beiträge geschrieben, und dann die einzelnen Naturschutzbeauftragten, das waren auch meistens Lehrer, die jeweils für ihren Kreis immer eine naturkundliche Einleitung verfassten. Danach kamen dann die Naturschutzgebiete und Naturdenkmäler, die ich mit ein paar schönen Bildern vorgestellt habe. Die Arbeit an der Reihe war gewissermaßen eine Nebenaufgabe im Rahmen des ILN. Dann haben wir als zweites den Bezirk Potsdam bearbeitet. Im Handumdrehen war der Band vergriffen, so dass wir hier eine erweiterte zweite Auflage gemacht haben. Schließlich haben wir noch einen besonders umfangreichen Band für den Bezirk Frankfurt/Oder verfasst, der 1961 erschien. Dabei hat auch noch Erna Kretschmann mitgemacht sowie Scamoni. Der erste Band erschien 1954, der letzte 1961. Die Reihe ist sehr gut aufgenommen worden. Es war ja so: Die Lehrer hatten damals nichts in der Hand. Die alte Literatur von vor dem Kriege galt als faschistisch, die wurde ausgemerzt aus den Bibliotheken. Heimatkundliche Schriften aus den 1930er Jahren waren da oft noch mit Hakenkreuz oben, die wollte keiner mehr haben. Die Lehrer hatten also nichts. Bei den Neulehrern war die Reihe begehrt, denn auf die Weise konnten sie im Biologieunterricht oder Geographieunterricht ihren Schülern naturkundliches Wissen vermitteln.

Zur Person

geboren 1928 in Guben

Studium der Biologie an der Landeshochschule Potsdam; Diplom 1955; Promotion 1959; Habilitation 1970

1953 bis 1961 wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Landesforschung und Naturschutz, 1961 bis 1991 an der Forschungsstelle für Limnologie der DAW

Ehrenmitglied des Botanischen Vereins Berlin-Brandenburg und des Fördervereins Naturlandschaft Stechlin-Menzer Heide; langjähriger Vorsitzender der Niederlausitzer Gesellschaft für Geschichte und Landeskunde und Vorstandsmitglied des Floristischen Arbeitskreises der Niederlausitz