Die "Natur- und Heimatfreunde" im Kulturbund

Die zentrale Leitung der Natur- und Heimatfreunde im Kulturbund konstitu­ierte sich im Dezember 1950 in Berlin. Allmählich entstanden Fachgebiete. Für jedes Fachgebiet wurde in den folgenden Jahren ein Fachausschuss zur Koordinierung der Facharbeitsgemeinschaften gebildet, dessen Vorsitz das verantwortliche Mitglied der Zentralen Kommission oder der entsprechenden Kommissionen auf der Ebene der Bezirke führte. Für die größeren Fachgebiete wurden „Zentrale Fachausschüsse” (ZFA) gebildet, für die kleineren oder für spezielle gab es „Zentrale Arbeitskreise” (ZAK), Arbeitsgemeinschaften oder -gruppen oder Freundeskreise. Die ZFA setzten sich aus den Vorsitzenden der entsprechenden Fachausschüsse der Bezirkskommissionen (BFA) zusammen. Diese Vorsitzenden wurden vom Präsidialrat des Kulturbundes in ihre Funktionen berufen, nicht gewählt. Bis Ende 1951 war DDR-weit der organisatorische Aufbau weitgehend abgeschlossen.

Mit der Gebiets- und Verwaltungs­reform 1952 und der damit verbundenen Auflösung der Län­der wurden die Struktur und die Arbeit der Natur- und Heimat­freunde der administrativen Gliederung nach Bezirken angepasst und veränderte sich dann bis 1990 im Prinzip nicht mehr.

Gab es 1951 erst acht Fachaus­schüsse, so wuchs ihre Zahl bis 1965 auf 16 bis 19 an. Zeitweise gab es bis zu 60 Fachgebiete.

Es gab u.a. folgende Fachausschüsse: Naturschutz und Landschaftspflege, Denkmalpflege, Botanik, Geologie, Wegemarkierung, (Naturkunde-) Museen, Heimatgeschichte und Ortschroniken, Ur- und Frühgeschichte, Dendrologie und Gartenarchitektur, Aquarien- und Terrarienkunde, Ornithologie und Vogelschutz, Entomologie, Astronomie, Volkskunde, Fotografie, Schmalfilm, Touristik und Wandern.

1980 wurde im Zuge von Umorganisationen im Kulturbund und wohl auch als Reaktion auf das Erstarken einer "grünen" Besegung in der Bundesrepublik die Gesellschaft für Natur und Umwelt (GNU) gegründet.

Zuletzt, 1989, gab es in der GNU 11 Fachausschüsse mit 14 Arbeitskreisen oder Arbeitsgruppen (siehe Abbildung), wobei sich die Bezeichnungen und Zuordnungen einige Male veränderten.

Aufgaben der "Natur- und Heimatfreunde"

Die Natur- und Heimatfreunde hatten eine beratende Funktion und leisteten vor allem praktische Naturschutzarbeit.

Sie halfen mit bei der Inventarisierung, Zustandserfassung und Pflege von Schutzgebieten und -objekten in den Kreisen und erarbeiten Pflegevorschläge.
Sie wirkten an der Auswahl und Begründung von Schutzgebieten mit, führten Bestandsaufnahmen in geschützten ländlichen Parkanlagen durch und entwickelten für diese Pflegekonzeptionen. Sie leisteten Zuarbeiten zu Landschaftspflegeplänen. Zu den Arbeitsschwerpunkten gehörten die Mitwirkung an der biogeografischen Kartierung ausgewählter Tier- und Pflanzenarten und vor allem die Öffentlichkeitsarbeit in Form von Vorträgen, Exkursionsführungen, Ausstellungen, Naturlehrpfaden, Wanderwege-Gestaltungen und -Markierungen oder naturkundlichen Sammlungen. Hinzu kam die Vorbereitung und Durchführung von jährlichen Naturschutzwochen bzw. nach Erlass des Landeskulturgesetzes 1970 von "Wochen der sozialistischen Landeskultur", Landeskulturtagen oder Landschaftstagen sowie die ständige Mitarbeit in Fachgremien und Arbeitskreisen zum Schutz, zur Pflege und Erforschung spezieller Organismengruppen.

Die Natur- und Heimatfreunde arbeiteten von Anfang an eng mit den Mitarbeitern des Instituts für Landesforschung und Naturschutz (ILN) Halle und seiner Außenstellen zusammen. Die ILN-Mitarbeiter waren vielfach Mitglieder in Leitungsgremien von Fachgruppen der Natur- und Heimatfreunde. 

Öffentlichkeitsarbeit der "Natur- und Heimatfreunde"

Seit den 1960er Jahren entwickelten die Natur- und Heimatfreunde allmählich eine stärkere Öffentlichkeitsarbeit. Eine streitbare Schrift war die u.a. von Reimar Gilsenbach redigierte Zeitschrift "Natur und Heimat", deren erstes Heft 1952 erschien. Sie wurde 1962 eingestellt. Das war das Ende der einzigen "am Kiosk" erhältlichen, landesweit erscheinenden “Massenzeitschrift”.

Allerdings erschienen neben den Fachzeitschriften des Instituts für Landesforschung und Naturschutz zahllose Broschüren, Mitteilungen und kleine Zeitschriften, die von den Fachgruppen der Natur- und Heimatfreunde auf der Ebene der Kommunen, Kreise oder Bezirke und vereinzelt auch landesweit herausgegeben wurden. Dazu gehörten unter vielen anderen: „Ornitologischer Rundbrief Mecklenburgs“, „Botanischer Rundbrief für den Bezirk Neubrandenburg”, „Beiträge zur Gehölzkunde”, „Boletus”, „Der Falke”, „Aquarien und Terrarien”, „Entomologische Nachrichten und Berichte”, „Brandenburger Entomologische Nachrichten”, „Feldherpetologische Nachrichten”, „Feldherpetologie”, „Mitteilungen des Arbeitskreises Heimische Orchideen”, Mitteilungen des Biologischen Arbeitskreises „Alwin Arndt“ Luckau oder „Beiträge zur Insektenfauna der DDR“.

Literatur zum Weiterlesen

Institut für Umweltgeschichte und Regionalentwicklung e.V. (Hg.); Auster, R. & Behrens, H. (Bearb.) 1998: Naturschutz in den neuen Bundesländern - Ein Rückblick. 2 Halbbände. Marburg. 2. Aufl. Berlin 2001.

Behrens, H. & Hoffmann, J. 2013: Naturschutzgeschichte(n) - Lebenswege zwischen Ostseeküste und Erzgebirge. Friedland.

Institut für Umweltgeschichte und Regionalentwicklung e.V. (Hg.); Behrens, H. (Bearb.): Naturschutzgeschichte Thüringens. Lexikon der Naturschutzbeauftragten, Band 4. Berlin 2015: 288-424.